Die Meldung aus Aachen sorgt für Unruhe: Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist seit März 2025 in Deutschland offiziell als „etablierte invasive gebietsfremde Art“ eingestuft.
Das klingt erst mal so, als würde man die Bekämpfung einfach einstellen.
Viele Imker fragen sich jetzt:
Heißt das, wir müssen die Hornisse einfach akzeptieren?
Die kurze Antwort: Nein – aber die Strategie ändert sich.
Was bedeutet „etabliert“ überhaupt?
Bisher galt die Asiatische Hornisse als Art, die sich noch in der Ausbreitung befindet.
Das Ziel war klar: früh erkennen und möglichst jedes Nest beseitigen.
Mit der neuen Einstufung hat sich die Lage geändert:
- Die Art ist inzwischen so weit verbreitet, dass vollständige Ausrottung unrealistisch ist
- EU-weit wird dann von „Eindämmung“ statt „Ausrottung“ gesprochen
- Behörden dürfen Prioritäten setzen, statt jeden Fund sofort zu bekämpfen
Das ist kein politischer Wille zur Untätigkeit – sondern eine praktische Entscheidung:
Man bekommt die Art schlicht nicht mehr komplett weg.
Bedeutet das das Ende der Bekämpfung?
Ganz klar: Nein.
Auch nach der neuen Einstufung gilt:
- Nester dürfen weiterhin entfernt werden
- Behörden können Maßnahmen anordnen
- Monitoring und Meldungen bleiben wichtig
Was sich ändert, ist die Flächendeckung und Priorisierung:
Früher:
- Jeder Fund = möglichst sofortige Beseitigung
- Fokus auf vollständige Kontrolle
Jetzt:
- Fokus auf Schutz sensibler Bereiche
- Priorität bei:
- Imkereien
- dicht besiedelten Gebieten
- bekannten Hotspots
Ein einzelnes Nest im Wald hat also künftig eine andere Priorität als eines direkt am Bienenstand.
Was passiert konkret in Aachen?
Die Meldung aus Aachen passt genau in dieses Bild.
Dort wird die Strategie angepasst:
- Keine flächendeckende Bekämpfung mehr
- Stattdessen gezieltes Vorgehen
- Ressourcen werden auf relevante Fälle konzentriert
Das ist kein Sonderweg, sondern entspricht der EU-Logik im Umgang mit etablierten invasiven Arten.
Was bedeutet das für uns Imker?
Hier wird es praktisch. Die Verantwortung verschiebt sich ein Stück weit.
1. Wachsamkeit wird wichtiger
Du kannst dich weniger darauf verlassen, dass „die Behörden das schon regeln“.
- Sichtungen melden (z. B. über offizielle Meldeportale)
- Flugverhalten beobachten (typisches „Rütteln“ vor dem Flugloch)
2. Eigene Schutzmaßnahmen gewinnen an Bedeutung
Typische Ansätze:
- Fluglochverengung
- Schutzgitter / „Maulkörbe“
- Standortwahl überdenken
Keine Maßnahme ist perfekt – aber Nichtstun ist keine Option.
3. Vernetzung wird entscheidend
- Austausch mit anderen Imkern in der Region
- Infos zu Nestern und Sichtungen teilen
- Gemeinsam reagieren statt einzeln kämpfen
Und was bedeutet das für Bürger?
Auch für Nicht-Imker bleibt das Thema relevant:
- Die Asiatische Hornisse ist nicht aggressiver als unsere heimische – aber
- Sie ist ein effizienter Jäger von Honigbienen und anderen Insekten
Wichtig:
- Keine Panik
- Nester nicht selbst entfernen
- Sichtungen melden
Einordnung: Ist die neue Strategie sinnvoll?
Unbequem, aber ehrlich: Ja, sie ist realistisch.
Eine vollständige Ausrottung wäre nur möglich gewesen,
wenn man die Art ganz am Anfang gestoppt hätte.
Jetzt geht es darum:
- Schäden zu begrenzen
- besonders betroffene Bereiche zu schützen
- mit der Situation umzugehen, statt ihr hinterherzulaufen
Fazit
Die Asiatische Hornisse wird in Deutschland nicht „aufgegeben“.
Aber sie wird auch nicht mehr überall konsequent bekämpft.
Stattdessen gilt:
Gezielt eingreifen, wo es nötig ist – und lernen, mit der Art umzugehen.
Für Imker heißt das vor allem:
Mehr Eigenverantwortung, mehr Aufmerksamkeit, mehr Austausch.
Autor
Imker Lutz
Ich schreibe hier aus der Praxis für andere Imker und alle, die sich um ihre Umgebung und unsere Bestäuber sorgen.
Die Asiatische Hornisse ist kein theoretisches Problem mehr – sie ist vor Ort angekommen. Umso wichtiger ist es, informiert zu bleiben und Erfahrungen zu teilen.


